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Das Saugtraining

Warum Saugtraining beim Baby der Schlüssel zum Erfolg ist: Verspannungen lösen und Frenotomie optimal begleiten

Das Saugen ist für ein Neugeborenes weit mehr als nur Nahrungsaufnahme – es ist ein hochkomplexes Zusammenspiel aus über 20 Muskeln im Bereich von Mund, Kiefer, Gesicht und Hals. Läuft hier etwas unrund, wird das Stillen schnell zur Herausforderung.

Ein gezieltes Saugtraining hilft dabei, die Zungen- und Kiefermuskulatur zu stärken, Blockaden zu lösen und die Bewegungsabläufe neu zu koordinieren. Warum das besonders bei Geburtsverspannungen sowie rund um eine Zungenband-Trennung (Frenotomie) entscheidend ist, erfährst du hier.

1. Der Schwerpunkt: Verspannte Muskulatur durch Schwangerschaft und Geburt

Babys kommen nicht immer völlig entspannt auf die Welt. Enge im Mutterleib  (z. B. bei Beckenendlage), lange Geburten, ein Geburtsstillstand oder der Einsatz von Saugglocke und Zange hinterlassen Spuren im Körper des Babys.

  • Körperliche Blockaden: Verspannungen in der Halswirbelsäule (oft im Zusammenhang mit dem sogenannten KISS-Syndrom) oder im Kiefergelenk führen dazu, dass das Baby den Mund nicht weit genug öffnen kann. Das Anlegen wird schmerzhaft, das Baby „beißt“ eher, als dass es saugt.

  • „Emotionen sitzen im Kiefer“: Was wir von uns Erwachsenen kennen (z. B. nächtliches Zähneknirschen bei Stress), gilt auch für Babys. Stress, Angst oder Überreizung während einer schweren Geburt speichern sich als muskuläre Spannung im Kieferbereich ab. Ein fest gebissener Kiefer ist oft der emotionale Schutzpanzer des Babys.

  • Wie Saugtraining hilft: Durch sanfte Massagen im Mundraum, Ausstreichen der Wangeninnenseiten und gezielte Dehnreize lernt das Baby, die Kiefermuskulatur bewusst loszulassen. Es erfährt, dass der Mundraum ein sicherer, entspannter Ort ist.

2. Saugtraining als Vorbereitung auf eine Frenotomie (Zungenband-Trennung)

Liegt ein zu kurzes Zungenband vor, ist die Zunge in ihrer Bewegung mechanisch eingeschränkt. Warum sollte man also vor dem Eingriff trainieren?

  • Gewebe lockern: Die Muskulatur rund um ein verkürztes Zungenband ist meist chronisch überlastet und steif, weil sie ständig gegen den Widerstand des Bandes ankämpfen muss. Saugtraining lockert dieses Gewebe vorab.

  • Muskelgedächtnis vorbereiten: Das Baby lernt schon vor dem Eingriff die Bewegungen kennen, die es nach der Trennung vollenden soll. Je besser die Koordination vorab geschult ist, desto schneller versteht das Gehirn nach dem Eingriff die neue Freiheit der Zunge.

3. Saugtraining nach einer Frenotomie: Das „Wundmanagement“ und Umlernen

Die Trennung des Zungenbandes ist der Startschuss – aber die Heilung und das eigentliche Umlernen passieren danach. Nach der Frenotomie hat das Baby plötzlich eine Zunge, die sich viel weiter bewegen kann. Es weiß aber oft gar nicht, wie es diese neue Freiheit nutzen soll.

  • Narbenbildung verhindern (Aktives Wundmanagement): Die Wunde unter der Zunge neigt dazu, sich beim Heilen wieder zusammenzuziehen und das Band erneut zu verkürzen (Re-Attachment). Gezieltes Saugtraining und Dehnübungen halten das Gewebe flexibel und sorgen dafür, dass die Wunde in der Länge heilt.

  • Umlernen der Bewegung: Das Baby hat sich monatelang im Mutterleib und nach der Geburt ein falsches, kompensatorisches Saugmuster angeeignet. Nach dem Eingriff muss das Gehirn das „korrekte“ Saugen (Zunge weit herausstrecken, anheben, Wellenbewegung) erst neu lernen. Saugtraining ist hier wie Physiotherapie nach einer Operation.

Fazit: Ganzheitlicher Ansatz für ein entspanntes Stillen

Saugtraining betrachtet das Baby als Ganzes. Es verbindet die körperliche Ebene (Muskelkraft und Gewebeflexibilität) mit der emotionalen Ebene (Entspannung des Kiefers nach Stress). Ob als sanfte Hilfe bei geburtsbedingten Verspannungen oder als unverzichtbare Begleitung bei einer Frenotomie: Es schenkt dem Baby die Leichtigkeit zurück, die es für ein glückliches und schmerzfreies Stillen braucht.

Tipp: Da jedes Baby individuell ist und Verspannungen oft tiefer sitzen, empfiehlt sich neben dem Saugtraining immer auch eine osteopathische oder physiotherapeutische Abklärung sowie die Begleitung durch eine zertifizierte Stillberaterin (IBCLC).

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